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Oft waren in der Musikgeschichte jene Kombinationen wegweisend, an die auf Anhieb niemand gedacht hatte. Auch Calling You CT 9722-2) dürfte für die meisten überraschend sein. Die schwedische Sängerin Rigmor Gustafsson trifft auf das radio.string.quartet.vienna. Auf Überraschungen freilich sind beide Parteien abboniert: Mit ihren stilistisch so unterschiedlichen Interpretationen von Dionne Warwick/Burt Bacharach bis zu Michel Legrand sorgte Gustafsson für Aufsehen, dem radio.string.quartet.vienna gelang der „Überraschungscoup des Jahres“ (tz) 2006 mit Celebrating the Mahavishnu Orchestra (ACT 9462-2).

Rigmor Gustafsson hat sich längst als prima inter pares unter den schwedischen Jazzsängerinnen etabliert. In beiden Regionen ausgebildet, vereint sie die Vorzüge der amerikanischen wie der skandinavischen Jazzschule in sich. Ob bei ihren eigenwilligen Interpretationen oder zuletzt ihren eigenen Kompositionen auf Alone With You (ACT 9717-2), stets wird die Natürlichkeit, der Zauber und die Tiefe ihres Gesangs hervorgehoben. „Sie hat ihre Seele in ihrer Stimme“, brachte es ihr Freund und Förderer Nils Landgren auf den Punkt. Der bedeutende, unlängst verstorbene Kritiker Werner Burkhardt ergänzte: „Ihre Seele spricht zu anderen Seelen.“

Auch das radio.string.quartet.vienna nimmt unstrittig eine Ausnahmestellung ein. Mit Bernie Mallingers und Johannes Dickbauers alle Klangspektren abdeckenden Geigen, Asja Valcics furiosen Cello sowie Cynthia Liaos lasziver Bratsche kann das Quartett für sich beanspruchen, das Genre Streichquartett neu definiert zu haben. Die Balance zwischen klassisch stringenter Klangarchitektur und improvisatorischer Fantasie, die unvergleichlich schillernde Ausdruckskraft von zartesten Pizzicati bis zu von Streichern bislang ungehörten, überwältigenden Rhythmusstampeden, macht ihnen kein anderes Ensemble nach. „Einfach einzigartig“ befand niemand Geringeres als John McLaughlin.

Für die Beteiligten war die Zusammenarbeit verblüffenderweise völlig logisch. „Als ich das radio.string.quartet.vienna 2008 in Essen das erste Mal hörte, war ich sofort in die Vier verliebt. Ich fühlte eine besondere Verbindung durch ihre Hommage an das Mahavishnu Orchestra. Denn als Mädchen spielte ich Gitarre, und mein absoluter Held war John McLaughlin - was im Nachhinein betrachtet sicher ungewöhnlich ist für ein Mädchen von einem schwedischen Bauernhof ohne irgendeine musikalische Tradition in der Familie“, berichtet Gustafsson. Schon bald danach fragte sie bei den Wienern an, ob man nicht etwas zusammen machen könnte. Was Bernie Mallinger, spiritus rector des r.s.q.v., für einen „lustigen Zufall“ hielt: „Für jeden von uns waren die Beatles die erste Droge. Und so hatten wir schon lange damit geliebäugelt, etwas mit Gesang zu machen.“ Trotzdem habe man sich dieses Vorhaben genau überlegt, wie Mallinger erklärt. Denn natürlich galt es, das Konzept und die besondere Qualität des Quartetts zu erhalten und nicht, wie auf so viele Streicherbegleitungen, als untermalender „Keyboardersatz“ zu enden. Eine Gefahr, die Gustafssons in grenzenlosem Vertrauen schnell ausschloss: „Ihr arrangiert, und ich singe!“

Ein Vertrauensverhältnis, das in der unkomplizierten und harmonischen Studioarbeit eine Fortsetzung erfuhr. Jeder Musiker durfte Songs beisteuern, die ihm selbst am Herzen lagen und die er für das Projekt passend hielt. So reicht die Palette von Popsongs wie Paul Simons „Still Crazy After All These Years“ und Stevie Wonders „If It’s Magic“, über Burt Bacharach-Klassiker („Close To You“), Jazzstandards („Makin’ Whoopie“) und vertrackte Raritäten wie Joni Mitchells „Drycleaner From Desmoines“ oder Richard Bonas „Please Don’t Stop“ bis hin zum schwedischen Volkslied „Ack Värmeland Du Sköna“. Diese musikalische Vielfalt wird inszeniert in der unverwechselbaren, mal die Wärme, mal die Dynamik der Vorlage auskostenden Art des r.s.q.v. und getragen von Gustafssons individuell berührender Stimme. Den weitesten Bogen schlagen sinnigerweise die zwei vom Streichquartett stammenden Eigenkompositionen: Asja Valcics „Fancy Nancy“ ist ein wahnwitziger Galopp, Johannes Dickbauers „Wherever We Go“ eine herzzerreißende Pop-Elegie. Zuletzt schaffte es der Titeltrack auf die Platte, wie Mallinger erzählt: „Am Tag, bevor wir ins Studio gingen, unterhielt ich mit meiner Freundin über Filme, und dabei kamen wir auf „Out of Rosenheim“, den ich noch nie gesehen hatte. Stunden später lieh ich ihn mir aus, und als ich abends beim Vorspann dieses unglaubliche „Calling You“ hörte, merkte meine Freundin schon, wie ich immer unruhiger wurde. Praktisch die ganze Nacht hindurch habe ich den Song dann arrangiert, am Morgen war er fertig zum Üben und Einspielen.“

Das fertige Album überraschend zu nennen, ist wohl eher untertrieben. Es dürfte keine Gesangsplatte geben, die Stimmbänder und Saiten zu einem ähnlich strukturierten Gefühlgemälde vereint. Die Kombination r.s.q.v. und Rigmor Gustafsson klingt wie füreinander geschaffen: Eins plus Eins macht hier Eins.

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Seit ihrem Auftritt beim JazzFest Berlin 2001 wird die schwedische Jazz-Interpretin Rigmor Gustafsson bei uns als „neuer Stern am Gesangshimmel“ (Jazzthetik) gefeiert. Und das zu Recht, denn auch mit ihrem aktuellen Album „Close to you“ landete sie erneut einen Nummer-1-Hit in den schwedischen Jazzcharts und auch hierzulande erklomm das Album höchste Ränge. Und jetzt ist sie auf Tournee bei uns mit ihrem Trio, brandneuem Programm und einigen der schönsten Popnummern aller Zeiten.

Gustafsson selbst nennt ihr neues Werk, auf dem sie ihre Lieblingssongs der Popikone Dionne Warwick interpretiert, eine „bescheidene Hommage an eine der größten Sängerinnen in der Geschichte der Popmusik.“ Aber sie braucht sich mit ihrer Leistung nicht zu verstecken! Die Kritik lobt sie in den höchsten Tönen. „Rigmor ist die größte Jazzsängerin, die wir in Schweden seit langer Zeit hervorgebracht haben“ schreibt die schwedische Zeitung Aftonbladet.  Im Jahr 2002 war sie noch Gast auf Nils Landgrens Erfolgsalbum „Sentimental Journey“. Ihr eigenes Debut auf dem ACT-Label gab sie 2003 mit „I will wait for you“. Die CD schnellte bereits eine Woche nach ihrer Veröffentlichung auf Platz 1 der schwedischen Jazzcharts, wurde für einen Grammy nominiert und erhielt einen Jazz Award in Deutschland. Mit ihrem zweiten Album knüpft sie nahtlos an diese Erfolge an: ebenfalls Platz 1 in den Jazzcharts, eine Grammynominierung und eine goldene Schallplatte in Schweden.

Rigmor Gustafsson entschied sich wegen ihrer wundervollen Stimme schon früh für eine Gesangskarriere. Nach ihrer Ausbildung an der Royal Academy of Music in Stockholm machte sie sich rasch einen Namen als ausgezeichnete Vokalistin, arbeitete mit verschiedenen Big-Bands, leitete kleinere Jazzformationen und trat im schwedischen Fernsehen auf. In der Folgezeit ging sie in die USA und studierte dort z.B. am Mannes College of Music in New York, trat in den einschlägigen New Yorker Clubs auf und gründete ihr eigenes Quintett mit dem sie auch durch Europa tourte. 1995 führte sie ihr Weg wieder nach Stockholm, wo sie einen Lehrauftrag als Gesangsdozentin an der Royal Academy of Music annahm.
 
Mit ihrer ungemein biegsamen und schlanken Stimme lässt Rigmor Gustafsson die Popklassiker von Dionne Warwick von „I´ll never fall in love again“ über „Walk on by“ bis „Raindrops keep falling on my head“ in ganz neuem Glanz erstrahlen, haucht ihnen mit ihrer federleichten Phrasierung und makellosen Intonation neues Leben ein. Werner Burkhardt schrieb nach einem ihrer Auftritte in der Süddeutschen Zeitung: „Ihre Seele spricht zu anderen Seelen.“ Dabei schafft sie es, einen ganz eigenen, transparenten Ton zu finden, bei dem jedoch nicht die ursprüngliche Stimmung der Originale verloren geht: Wie eine musikalische Erinnerung schwingen Dionne Warwicks fließende Leichtigkeit und geschmeidige Melancholie im Hintergrund mit. Selten stand Popsongs ein Jazzgewand so gut.


 

On Tour

& Radio.String.Quartet.Vienna.

08.08.10 D-Hitzacker Musiktage Hitzacker web
07.01.11 D-Bad Kissingen Kurtheater
11.02.11 D-Nürnberg Maritim Kulturlounge web
Tel. 0180-5231600

Rigmor Gustafsson & Big Band

 
09.10.10 D-Rostock-Warnemünde Hotel Neptun web

 

 

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